Christine Schroeder - Marathon als Weg zu persönlichem Wohlbefinden
 



Christine Schroeder - Marathon als Weg zu persönlichem Wohlbefinden
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'Der Lauf des Lebens' – Sonntag Aktuell (Zeitungsgruppe Stuttgart) vom 04.12.2011

 

Sonntag Aktuell, 4. Dezember 2011
(Sonntagsausgabe der Zeitungsgruppe Stuttgart, mit einer Auflage von 880.000 Exemplaren Deutschlands größte regionale Sonntagszeitung)

22 SPORTREPORT

Fünfmal um die Erde – und alles zu Fuß

Der Lauf des Lebens

Mal eben umdie Welt rennen. Zwei Männer aus Hamburg haben es mehrfach geschafft. Mit 1778 Marathonläufen hält Christian Hottas den Rekord, Horst Preisler ist ihm dicht auf den Fersen.

VON JÖRG HEUER

Sie als skurril, speziell oder sonderbar zu bezeichnen ist sicher nicht übertrieben und auch keine Beleidigung. Sie sagen selbst schmunzelnd über sich, sie seien „ganz schön durchgeknallt“ oder, wie der Hamburger Horst Preisler, 76, ehemaliger Chef der Personalabteilung im Unfallkrankenhaus Boberg, meint, „sicher ein wenig verrückt“. Halt ganz anders als alle anderen. 218 000 Kilometer hat der rüstige Rentner „auf dem Tacho“.

Nicht auf dem seines Autos, er besitzt gar keins. Preisler ist bislang knapp über 218 000 Kilometer gelaufen. Er führe seit Jahrzehnten genauestens Buch, erklärt er: „Über alle Trainingsläufe, Marathons und Ultramarathons. Ich bin akribisch und absolut ehrlich.“

760 Strecken in 64 Ländern auf fünf Kontinenten hat er bereits in den Beinen und auf dem Buckel. Einen Marathon abgebrochen, weil er nicht mehr konnte, habe er nur ein einziges Mal. In Griechenland. Er war umgeknickt. Es ging nicht mehr, die Schmerzen waren zu groß und das Ziel zu weit.

„Das Ziel zu erreichen, ist natürlich immer das Sahnehäubchen“, erklärt der weit gereiste Marathonmann, der sich abseits der Strecke auch immer noch ein paar Tage Land und Leute anguckt. „Ich bin kein Marathon-Sammler“, erklärt Preisler, „ich bin ein Erlebnisläufer. Durch meine Laufleidenschaft habe ich die Welt gesehen.“

Der Lauf auf der Chinesischen Mauer, der von Hiroshima nach Nagasaki, der in der Arktis, der auf Tahiti, der New-York- und der London-Marathon – Preisler ist überall mitgerannt. Und natürlich hat er keinen einzigen Hamburg-Marathon ausgelassen. Ehrensache für einen geborenen Hamburger Laufenthusiasten. Sein Rekord bei einem Sechstagerennen beträgt beeindruckende 661 Kilometer, bei einem 48-Stunden-Lauf hat er mal 214 Kilometer geschafft. Und was die Anzahl seiner absolvierten Marathon- und Ultramarathonläufe betrifft, war Preisler seit Mitte der 1990er Jahre bis in den August dieses Jahres, bis einen Tag nach seinem 76. Geburtstag, sogar der Weltrekordhalter. Fünfmal hat der Extrem-Ausdauerläufer die Erde schon umrundet. Neulich in Hamburg – beim Öjendorfer-See-Marathon – war er bereits auf Runde Nummer sechs unterwegs.

Doch seinen Weltrekord der meisten Marathonläufe ist er trotzdem los. Preisler wurde im August von einem anderen Hamburger Laufwunder verdrängt. Von Christian Hottas, der in den ersten sieben Monaten des Jahres bereits 100 Marathons und Ultramarathons absolviert hatte. Er kam in den letzten Jahren auf einen Jahresschnitt von fast 150 Marathons. Wie er selbst schätzt, hat er 90 000 Kilometer Gesamtlaufleistung auf dem Tacho.

Beim Marathon rund um den Öjendorfer See lief Horst Preisler seinen MarathonNummer 1755. Für Christian Hottas, 55, Sportmediziner mit eigener Praxis, war es bereits Marathon Nummer 1778. Der Jüngere setzt sich immer weiter vom Älteren ab. Innerhalb von vier Tagen ist Hottas, der 1986 seinen ersten Marathon bestritt, dreimal die 42,195 Kilometer lange Strecke gelaufen. Zeit zum Regenerieren braucht er anscheinend nicht. Es gehe auch ihm nicht um Zeit, Medaillen und Platzierungen. „Es geht mir darum, ins Ziel zu kommen, Spaß zu haben“, sagt er. Im Laufschritt und gemeinsam mit Freunden, die (fast) genauso laufverrückt sind wie er und auch weit vorn in der Weltrangliste liegen.

Die Mission der beiden Hamburger Rennrivalen Hottas und Preisler lautet: laufen! Ihr Leben und Lifestyle ist: ein Dauerlauf! Und schnell wird klar – die beiden Marathon-Junkies leben in einer ganz anderen Welt, in der das Laufen Kick und Droge, geradezu eine Sucht ist: Myriaden von Nervenzellen lassen Glückshormone strömen. Sie rauschen von Synapse zu Synapse, fluten das Gehirn. Die körpereigenen Opiate hellen die Stimmung auf, vertreiben Stress und Schwermut. Nachteil: Der Effekt hält nicht dauerhaft an. Wer Endorphin-Junkie bleiben will, muss regelmäßig rennen. Und das tun die beiden bewegungsfreudigen Hansestädter auch. Sie pflegen den Lauf ihres Lebens.

Horst Preislers und Christian Hottas Wege kreuzen sich immer wieder auf den Laufstrecken. Wobei: Der ältere Athlet reist viel herum und läuft auf allen Kontinenten, der jüngere sehr oft bei von ihm selbst veranstalteten Marathons in der näheren Umgebung. Ob der alte Rekordhalter dem neuen neulich gratuliert hat? „Nein, wir haben das Thema nicht weiter vertieft“, sagt Christian Hottas süffisant lächelnd. „Rekorde interessieren mich nicht so sehr“, sagt Horst Preisler ein wenig mürrisch. Er weiß ganz genau, dass er sich den Weltrekord nicht mehr zurückholen kann. Doch es ist nur sein hohes Alter, das ihn daran hindert. „Jeder wird irgendwann mal von einem Jüngeren überholt“, sagt er, „kein Rekord ist für die Ewigkeit.“

Beim Marathon im Öjendorfer Park im SüdenHamburgs (etwa 100 Teilnehmer) würdigten sich der Weltrekordler und sein Vorgänger nur weniger Blicke.

Um 8 Uhr ertönte das Startsignal. Preisler, schlank, gebeugter Oberkörper, schlurfender, kraftsparender Schritt, zog ganz allein seine Runden. Hottas, gedrungen, ebenfalls unorthodoxer Laufstil, rannte gemeinsam mit der Hamburgerin Christine Schroeder, 53, um den See. Runde um Runde. Elf insgesamt. Wie Roboter. Das Vorhaben von allen dreien: im vom Veranstalter geforderten Zeitlimit von sechs Stunden ins Ziel zu kommen.

Christine Schroeder, gelernte Krankenschwester und Sachbearbeiterin im Jobcenter, läuft erst seit 2007. Doch seither einen Marathon nach dem anderen. Sie ist längst vom Laufvirus infiziert und Mitglied des „100 Marathon Club Deutschland“ . „Die 42,195 Kilometer machen mich einfach nur glücklich“, erklärt sie, „der Marathon ist für mich der beste Weg hin zum persönlichen Wohlbefinden.“ Genau das, sagen sie, empfinden auch Preisler und Hottas.

Seit ihrem ersten Marathon vor viereinhalb Jahren, bei dem sie nach fünf Stunden und 23 Minuten ins Ziel kam, hat die gelernte Krankenschwester Schroeder auch schon 286 Extremläufe in den Beinen. „Sie ist ein Ultra-Talent“, sagt ihr Mentor und Wegbegleiter Christian Hottas, „je länger die Strecke, desto besser kommt Christine in Fahrt. Wenn sie so weitermacht, wird sie es in den Rekordlisten auch noch ganz weit nach vorne schaffen.“

Noch in diesem Jahr will die zähe Blondine die 300er-Marke auf jeden Fall knacken. Sie hat zwar nur noch wenige Wochen Zeit für 14 Marathons. Aber sie wird sie laufen. Einen nach dem anderen. Egal, ob es regnet oder schneit.

Am frühen Nachmittag, nach 5:39,36 Stunden, kam Horst Preisler beim Öjendorfer Marathon glücklich ins Ziel gewankt. Ein paar Minuten später trudelte auch Weltrekordler Christian Hottas lächelnd ein. Äußerlich sah man den beiden Ultra-Rekordläufern gar nicht an, dass sie gerade einen Marathon gelaufen waren. „Alles eine Sache der Gewohnheit“, scherzte der Sportmediziner und Weltrekordler Christian Hottas – in Gedanken wohl schon längst beim nächsten Marathon am nächsten Morgen.

6.12.11 19:19
 
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