Christine Schroeder - Marathon als Weg zu persönlichem Wohlbefinden
 



Christine Schroeder - Marathon als Weg zu persönlichem Wohlbefinden
  Startseite
    Allgemeines
    Eigene Berichte
    Ergebnisse
    Presseartikel
  Über...
  Archiv
  Kontakt
  Abonnieren
 

Freunde
   
    hottas

    praxis-hottas
   
    teichwiesenfriends

   
    teichwiesen

    - mehr Freunde

Links
  DUV
  Arztpraxis von Christian Hottas
  FEM - Teichwiesen Marathons
  FEM - Lost Places Marathons
  Teichwiesen-Friends On Tour


http://myblog.de/squiddy

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Grand Union Canal Race (GUCR 145) am 23.-25.05.2009 – Der absolute Wahnsinn!!! – eigener Bericht

Nach wochen- und monatelangen Vorbereitungen auf das „15th Grand Union Canal Race“ über 145 Meilen Trail von Birmingham nach London war es am 22. Mai 2009 endlich so weit: An diesem Freitag ging um 15 Uhr mein „flybe“-Flieger von Hamburg-Fuhlsbüttel nach Birmingham, und alleine schon der Flug mit der Propellermaschine war ein Erlebnis für sich.

In Birmingham wartete Christian Hottas am Flughafen auf mich, und wir fuhren dann gemeinsam mit Bus 900 und Bus 11c zum Red Lion in die Vicarage Road. Dank Internet und zuvor erstelltem Fahrplanausdruck klappte dies auch reibungslos.

Christine "völlig entspannt" während der Busfahrt. (alle Fotos: cho)

Im Red Lion haben wir als erstes die dänische Fraktion mit Kent Møller, Søren Skytte und Kim Smitt gesichtet und begrüßt. Die Atmosphäre wurde dadurch gleich ein wenig familiärer.

Dann haben wir uns gleich einen Tisch gesucht und erst einmal etwas zu Essen bestellt. Da ich schon seit 28 Jahren kein Fisch und Chips mehr gegessen hatte, war klar, was bestellt werden „musste“. Und mit einer ordentlichen Portion Salz bestreut, schmeckte der Fisch dann auch oberlecker.

Während des Essens erschien dann auch der Veranstalter Dick Kearn, der sich sein Zelt im Gartenteil des Lokals aufbaute und die letzten Startunterlagen verteilte. Ein wirklich uriger Typ mit typisch englischem Humor.

Christian und ich setzten uns noch ein wenig raus und lernten Peter Johnson und John Poole kennen, die beide schon je fünf Mal das GUCR gefinisht hatten. Besonders John hatte einen herrlichen Humor, und mit ihm habe ich mich länger unterhalten und mich über seine trockenen bissigen Bemerkungen sehr amüsiert. (… vor allem über seine Prognose, dass Christine den Lauf vor mir finishen könnte. [Anmerkung von Christian])

Gegen 21 Uhr wurden wir ins reservierte Hotel gebracht, und jeder verkrümelte sich auf sein Zimmer.

Um 3.30 Uhr war für mich die Nachtruhe zu Ende, da wir um 4.30 Uhr vom Veranstalter zum Startplatz gefahren wurden. Weil ich morgens ungern auf meinen (mitgebrachten) Capuccino verzichte, musste das frühe Aufstehen sein.

Gegen 5 Uhr waren wir nun endlich am Startplatz in der Gas Street in Birmingham. Aufregung ist überhaupt kein Ausdruck für das, was ich empfand. Ich konnte mir irgendwie gar nicht vorstellen, dass ich jetzt 245 (oder mehr) Kilometer vor mir hatte und die ohne größere Pause durchlaufen sollte. Alle wirkten völlig cool. Christian besorgte noch einen Kaffee, den ich sehr gerne in Empfang genommen habe.

Es war ein wenig frisch, aber die Wettervorhersage hatte zwei Sonnentage angekündigt, die dann zu meiner Zufriedenheit auch eintrafen.

"Total relaxed" am Start.

Vor dem Start lernten Christian und ich noch den Rest der deutschen Fraktion, nämlich Jan Bergmann und Norman Bücher, kennen. Beide wirkten souverän und erfahren, aber auch ein wenig angespannt. Auch sie sind beide bis ins Ziel gelaufen und konnten finishen.

Im Gespräch mit Jan Bergmann.

Ich konnte noch einmal mit John und Peter schnacken und ihnen für den Lauf alles Gute wünschen.

... und mit Peter Johnson und John Poole.

Um 6 Uhr ging es endlich los, und Christian und ich sind wie verabredet erst einmal langsam gemeinsam losgelaufen. Wir blieben unter den letzten zehn Teilnehmern und hatten es überhaupt nicht eilig.

Ich war völlig fasziniert vom Dreck und der grauen Atmosphäre, die mir entgegenschlug (und die teilweise bis London anhielt). Der vor Dreck strotzende Kanal trug auch nicht wirklich zu einer idyllischen Atmosphäre bei, trotzdem hatte es etwas Faszinierendes, an ihm entlang zu laufen.

Das Läuferfeld nach einer Meile in Birmingham.

Schon bald sah man die ersten Hausboote, die sich dadurch auszeichneten, dass sie besonders schmal waren. So passen immer zwei in die Schleusen, die sich in unendlicher Anzahl bis London hinzogen. Interessant an diesen Schleusen war, dass man sie per Hand auf und zu kurbeln musste. Überwiegend sah man die Frauen kurbeln, das hieß, dass sie von Bord mussten, Schleuse auf und zu drehen mussten und dies teilweise sechsmal hintereinander. Die Männer blieben lässig, freundlich grüßend, am Steuer stehen. Jeder schien aber mit seiner Rollenaufteilung zufrieden zu sein.

Kurz vor Meile 20...

... und mit entschlossener Mine beim Verlassen von CP 2 (Meile 22).

Eigentlich wollten Christian und ich nur bis zum 2. Verpflegungsstand (Meile 22) zusammen laufen, aber es lief so schön und harmonisch, dass er noch bis zum 3. Verpflegungsstand (Meile 35,9) bei mir blieb. Hier kam mein Schlafbedürfnis endlich hoch, es war so schöner Sonnenschein, und der Rasen lud zum Powernapping ein. Also habe ich mich 15 Minuten in die Sonne gelegt und tief und fest geschlafen.

Das war für Christian dann doch zuviel Pause, und er hat die Chance ergriffen und ist losgelaufen. (Genau genommen, hat sie mich weggejagt! [Anmerkung von Christian])

Frisch erholt, wurde ich gegen 15 Uhr wieder wach und lief nun alleine weiter. Jetzt musste ich ja selber auf den Weg achten. Das hört sich zwar so einfach an „einfach am Kanal entlang“, aber ein wenig aufpassen musste man ja doch. Zum Glück hatte der Veranstalter Dick eine hervorragende Streckenbeschreibung geliefert, die ich mir in meine Kanalkarten reingeschrieben hatte, und so funktionierte das Navigieren wunderbar, und ich konnte mich auf die Landschaft, Hausboote und die Menschen konzentrieren.

Ein schöner Bootsname: ITSAWISHCUMTRU.

Kleiner Bootshafen beim Zusammentreffen des GUC und des Oxford Canals.

Inzwischen vertrieb ich mir die Zeit damit, die fahrenden Hausboote zu überholen. Die hatten eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 4 Meilen/Std. einzuhalten, und das Überholen hatte einen abwechslungsreichen Spaßfaktor.

Es wurde langsam Abend, und aus den geparkten Hausbooten „krochen“ zunehmend die Menschen heraus, um ihre Hunde auszuführen, den Grill anzuschmeißen oder mir aufmunternde Worte zuzurufen. So nach dem Motto: „Well done! – Keep on going!“  Zwei Mal haben mir Gitarrenspieler ein Ständchen vorgesungen, was mich zum Halten brachte und mir bei Musik zu schönen Verschnaufpausen verhalf.

Abendstimmung bei Meile 50.

Der 4. Verpflegungsstand (Meile 53) kam schnell, und ich habe mich dort nicht lange aufgehalten. Ich band mir nur ein paar wärmere Sachen um und holte meine beiden Stirnlampen aus dem Gepäck.

Ich genoss weiterhin den abwechslungsreichen Weg (mal Schotter, mal Gras, mal Matsch) und lief lustig und entspannt vor mich her. Plötzlich klingelte mein Handy, und Christian wollte mich auf eine Gefahr auf dem Weg aufmerksam machen. Es stellte sich heraus, dass er nur so 10-15 Minuten vor mir war, was ihn sichtlich beeindruckte, wie ich an der kurzen Sprachpause heraushören konnte. Es lief bei mir aber auch einfach super-gut! Das Wetter war aber auch optimal, schöne, warme Sonne, und ich genoss einfach nur das Leben und das Laufen.

Bald war die Gefahrenstelle auch überwunden und die Überquerung des 2. Tunnels war mit Christians Wegbeschreibung auch gut zu bewältigen.

Inzwischen war es dunkel geworden, aber es war nie unheimlich, da der Kanal voller Hausboote und immer Leben um einen herum war.

Um 0.03 Uhr traf ich im 5. Verpflegungsstand (Meile 70,4) ein, und siehe da: Christian saß da noch und wartete auf mich. Er hatte Pech gehabt, da sich bei ihm eine Schuh-Innensohle und ein Socken „verabschiedet“ hatten und er sich ordentliche Blasen erlaufen hatte. Nun musste er sich mit nur wenig eingelaufenen Zweitschuhen begnügen.

Christine in CP 5 (Meile 70,4).

Da sich Christians Pausenzeit (erlaubt sind an jedem Check Point maximal 40 Minuten) dem Ende näherte, habe ich nur ganz schnell etwas getrunken, ein „wenig“ Schokolade (2 Taschen voll) eingepackt, und dann sind wir zusammen weiter gelaufen, was ich für den Rest der Nacht ganz angenehm fand.

Ich übernahm, warum auch immer, die Führung, und Christian lief etwas angestrengt, relativ wortkarg, hinter mir her. Unterwegs trafen wir dann noch Norman Bücher, der sich dann auch noch hinter uns einreihte und recht froh zu sein schien, dass er durch die weitere Nacht nicht alleine laufen musste. Zeitweise hatten wir auch noch zwei Briten im Schlepptau.

Um 4 Uhr erreichten wir den 6. Verpflegungsstand (Meile 84), und Christian war plötzlich fix und alle. Er musste wieder die volle Pausenzeit ausnutzen, um sich zu regenerieren, und ich überlegte, ob ich mein Wahnsinnstempo nun alleine weiter laufe oder bei Christian bleibe und erst einmal beobachte, was so mit ihm passiert. Habe mich natürlich für die zweite Möglichkeit entschieden.

Morgennebel hinter CP 6, so etwa bei Meile 85-88.

So sind wir wirklich gehenderweise bis zum nächsten Verpflegungspunkt marschiert, was sehr besinnlich und zumindest für mich erholsam war. Christian hat ca. 6-7 l getrunken, ich kam mit ca. einem Liter Wasser aus. Ich wollte auch nicht so viel trinken, da die „Rückzugsmöglichkeiten“ am Kanal eher sparsam bis gar nicht vorhanden waren und ich daher nicht so oft pinkeln wollte. Da haben die Männer es doch wirklich einfacher.

Kurzes Nickerchen (10 Minuten) in der Morgensonne, etwa bei Meile 95.

Schleusenüberquerung bei Meile 99.

Die Pause am Verpflegungsstand 7 (Meile 99,8) fiel nicht üppig aus, obwohl wir von der Zeit her noch Reserven hatten, aber da es so aussah, dass wir uns nicht schnell fortbewegen konnten, machten wir uns rechtzeitig auf den Weg. Eine sehr nette Helferin vom Team hat uns ihr Käppi für Christian ausgeliehen, da der Tag versprach, wieder heiß und sonnig zu werden Sie hatte noch einen Nackenschutz aus einem Spüllappen dran gebastelt, der feucht gehalten, den Nacken von Christian kühlte.  Ans Laufen war bei diesen Temperaturen von erneut 28-30 °C nicht zu denken. Ich würde für mich behaupten wollen, dass ich gut hätte schneller laufen können, aber ob ich dann auch angekommen wäre, weiß ich nicht.

So sind wir gemeinsam weiter gegangen und haben bei jeder Wasserstelle Wasser nachgetankt, um die Hitze aushalten zu können.

Nun wurde es langsam knapp mit der Zeit, und ich fing an ein wenig zu drängeln, was aus Christian zumindest den Kompromiss hervorlockte, dass ich in den Schattenstellen laufen durfte und nur noch in den Sonnenstellen langsam gegangen bin. Er musste notgedrungen mit und hat es auch mehr oder weniger ertragen.

Um 18.35 Uhr waren wir am 8. Verpflegungspunkt (Meile 120,4), und es sah alles nicht mehr danach aus, dass wir das Ziel erreichen würden. Meine Laune sank zunehmend, und eine große Enttäuschung machte sich breit. Trotzdem wollte ich nicht allein weiter laufen.

 

Zugewucherter Wegabschnitt kurz vor Uxbridge, etwa Meile 124. (alle Fotos: cho)

Nun wurde es zum Glück ein wenig kälter, da die Sonne verschwand, und Christian biss sich immer weiter durch. Unsere Laufstrecken wurden immer länger und unsere Gehstrecken immer kürzer. Inzwischen hatte Christian seine Laufweste ausgezogen, da er glühte und sich alles sehr heiß anfühlte, und ich war dankbar für den Rucksack, da ich dort einige Sachen von ihm verstauen konnte. In diesem war auch der ganze Proviant wie Hackbällchen, Weingummi, mitgenommene Schokolade, Traubenzucker und noch andere feine Sachen, die ich immer mal wieder anbot, um die Energien zu reaktivieren.

Am 9. Verpflegungsstand (Meile 134) sind wir erst 19 Minuten vor Öffnungsschluss eingetroffen, was schon wieder eine Leistung war, da wir wegen einer Sperrung der Strecke noch einige Kilometer Umweg durch einen überwiegend von indischen Migranten dominierten Vorort Londons machen mussten.

Jetzt kam die große Entscheidung, entweder gemeinsam außerhalb des Zeitlimits zu finishen oder sich zu trennen und jeder für sich alleine zu kämpfen. Wir hatten nur noch 12 Meilen vor uns, also eine überschaubare Entfernung, aber es war Mitternacht, und es musste Tempo gemacht werden, da für diese Distanz nur noch 3 Stunden zur Verfügung standen.

Ohne viele Worte entschieden wir uns für das getrennte Weiterlaufen, und ich dampfte ab und ließ einen sehr lädierten Christian hinter mir. Ganz wohl war mir dabei nicht, aber ich baute auf seinen Ehrgeiz und seine Erfahrung.

Jetzt fing das Kämpfen an, ich lief was das Zeug hielt, schaute überhaupt nicht mehr auf die Karten, guckte nicht nach links oder rechts, sondern hatte nur noch den Gedanken im Kopf, in der geforderten Zeit anzukommen. Irgendwann sah ich ein Schild Richtung Paddington, welches noch 7,5 Meilen auswies. (Die Schilder verwiesen teils auf den Ortskern von Paddington, teils auf den Bahnhof, also jeweils auf Punkte hinter unserem Ziel bei Little Venice, das gerade eben am Rand von Paddington liegt. [Anmerkung von Christian])

Das war bei mir der völlige Einbruch, denn als ich hochrechnete, wie viel ich für die letzten 4 Meilen benötigt hatte, wurde mir klar, dass das Ziel in 45 Stunden nicht zu erreichen war.  Aber anstand nun völlig aufzugeben, fingen meine Beine an plötzlich völlig verrückt zu spielen und „durchzudrehen“. Und es lief und lief und lief!!!

Ca. 3,5 Meilen vor dem Ziel habe ich plötzlich Andrew Turner überholt, der irgendwie aus dem Nichts vor mir auftauchte und mit seiner Begleiterin langsam vor mir her schlich. Er hatte sich schnell meinem Lauf-Geh-Rhythmus angepasst, und wir wurden gemeinsam immer schneller.  So sind wir ca. 1 km gemeinsam gelaufen, aber dann hat Andrew mich überholt und ist in einem sehr schnellen Tempo weiter gelaufen. Jetzt wusste ich, dass ich das Ziel erreichen würde, habe mein Tempo gedrosselt und bin etwas entspannter bis ins Ziel gelaufen. Elf Minuten vor Zielschluss, nach 44:49 Stunden, war ich endlich im Ziel!

Wow, was für ein Timing!!!!!

Nun fehlte noch Christian, aber da kam auch schon die Meldung des Race Headquarters an Dick, dass Christian bereits auf der letzten Meile vor dem Ziel sei! Bevor ich meine Ungläubigkeit ausdrücken konnte, stampfte er schon in einer affenartigen Geschwindigkeit heran und wirkte superfröhlich und gut gelaunt.

Christian im Ziel. (Foto: CS)

So war unsere Taktik aufgegangen, wir hatten einen herrlichen gemeinsamen Lauf und zu jeder Zeit die richtige Entscheidung getroffen. Besser geht es nicht mehr.

Fazit: ein Traum, nächstes Jahr unbedingt wieder!!!!

4.6.09 16:29
 
Letzte Einträge: MM/U # 730 (22) – U # 140 – Hamburg – 26. Billerhuder Insel Marathon am 17.04.2017



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung